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Dolomiten: Der Einstieg in die bleichen Berge

Warum die Dolomiten abends glühen, wo du anfangen solltest und welche Touren sich wirklich lohnen: die Übersicht für deine erste Reise.

Von Maia Brandt · Aktualisiert am

Der Moment kommt kurz vor Sonnenuntergang. Die Wiesen liegen schon im Schatten, dann fängt der Fels an zu leuchten: erst gelb, dann orange, zuletzt in einem tiefen Rosa. Die Ladiner haben ein eigenes Wort dafür, Enrosadira. Wer das einmal von einer Hüttenterrasse aus gesehen hat, versteht, warum diese Berge Menschen nicht mehr loslassen.

Warum die Berge bleich heißen

Die Dolomiten bestehen aus Dolomitgestein, einem hellen Kalkgestein, das nach dem französischen Forscher Déodat de Dolomieu benannt ist. Entstanden ist es aus Riffen eines urzeitlichen Meeres. Deshalb wirken die Wände tagsüber fast weiß, daher der alte Name bleiche Berge.

Die Enrosadira aus dem Einstieg hat damit ebenfalls zu tun. Das helle Gestein nimmt das flache Abendlicht besonders stark an, deshalb wandert die Farbe bei klarer Luft von Gelb über Orange nach Rosa. Bei Dunst oder tiefen Wolken bleibt das Schauspiel aus, und niemand kann es vorhersagen.

Geografisch liegen die Dolomiten im Nordosten Italiens, verteilt auf Südtirol, das Trentino und die Provinz Belluno. Mehrere Gebirgsgruppen gehören zum UNESCO-Welterbe. Zwischen den Felsstöcken liegen breite Almböden und Täler wie das Grödnertal, das Gadertal und das Hochpustertal. Genau dieser Wechsel aus senkrechtem Fels und sanftem Grasland macht den Reiz aus.

Namen, Wörter, Wegzeichen

Fast jeder Ort hier trägt zwei Namen, manche drei. Bozen heißt italienisch Bolzano, das Grödnertal heißt Val Gardena und ladinisch Gherdëina, Sexten heißt Sesto. Auf Wegweisern steht meist beides untereinander, in den ladinischen Tälern kommt die dritte Sprache dazu. Wer eine Unterkunft sucht, gibt im Zweifel beide Schreibweisen ein.

Vier Begriffe erleichtern jede Tourenplanung. Ein Rifugio ist eine bewirtschaftete Hütte mit Schlaflager oder Zimmern. Eine Via ferrata ist ein Klettersteig, gesichert mit Drahtseil, und ohne Klettersteigset tabu. Eine Alta Via ist ein weit gespannter Höhenweg über mehrere Tage. Und die Zahlen auf den rot-weißen Markierungen sind Wegnummern, keine Schwierigkeitsgrade.

Die Klassiker zum Anfangen

Wer zum ersten Mal kommt, startet am besten mit zwei Touren, die viel zeigen und wenig verlangen. Die Umrundung der Drei Zinnen führt in gut drei Stunden um das bekannteste Felsmassiv der Region, auf breiten Wegen und mit Hütteneinkehr. Sie ist voll, ja. Aber sie erklärt die Dolomiten besser als jedes Buch.

Der zweite Klassiker liegt weiter westlich. Die Seiser Alm ist die größte Hochalm Europas, ein weites Wiesenplateau unter Schlern und Langkofel. Hier wandern auch Familien mit Kinderwagen, und wer mehr will, steigt von der Alm aus in die Felsregion auf. Beide Ziele funktionieren als Tagestour von einem festen Quartier aus.

Mehrere Tage am Stück

Die Dolomiten entfalten ihre Wirkung erst richtig, wenn du oben bleibst. Ein dichtes Netz aus bewirtschafteten Hütten macht Touren von Hütte zu Hütte möglich, vom Wochenende bis zum langen Höhenweg quer durchs Gebirge. Wie du Etappen planst, Schlafplätze reservierst und was in den Rucksack gehört, erklärt der Artikel zum Hüttenwandern in den Dolomiten.

Und wer gar nicht wandern will? Auch dann lohnt die Reise. Die Passstraßen rund um den Sella-Stock gehören zu den bekanntesten Bergstrecken der Alpen. Welche Runden sich lohnen und wann die Straßen leer sind, steht im Beitrag über die Dolomitenpässe mit dem Auto.

Welches Tal als Basis

Die Dolomiten sind kein Ort, sondern ein Dutzend Täler um dieselben Felsstöcke. Die Wahl des Talorts entscheidet, welche Ziele zur Tagestour werden und welche zur Tagesreise.

BasisVon hier aus nahCharakter
Gröden mit St. Ulrich und WolkensteinSeiser Alm, Sella-Pässe, LangkofelViel Infrastruktur, viele Bergbahnen
Hochpustertal mit Toblach und SextenDrei Zinnen, Pragser Wildsee, FischleintalBahnanschluss, familientauglich
Gadertal und Alta BadiaSella-Runde, Fanes-Gruppe, HöhenwegeLadinisch geprägt, ruhiger als Gröden
Cortina d'AmpezzoTofane, Cinque Torri, Drei ZinnenMondäner Ort, entsprechend teurer

Für die erste Reise sprechen zwei Argumente für Gröden oder das Hochpustertal: Beide sind mit Bahn und Bus gut erschlossen, und beide haben genug leichte Wege für Tage, an denen das Wetter oder die Beine nicht mitspielen.

Anreise

Von Norden führt die Brennerautobahn heran, mit Ausfahrten Richtung Grödnertal und Eisacktal. Das Hochpustertal mit Toblach und Innichen erreichst du über die Pustertalstraße, auch per Bahn. Die nächstgelegenen größeren Flughäfen sind Innsbruck, Verona und Venedig. Von dort geht es mit Mietwagen, Bahn und Bus weiter in die Täler.

Vor Ort ist ein Auto praktisch, aber kein Muss. Südtirol hat ein dichtes Busnetz, viele Gästekarten schließen die Nutzung ein.

Zeitpunkt und Kosten

Die Wandersaison läuft grob von Juni bis Oktober, Hütten öffnen meist erst gegen Ende Juni. Juli und August sind am vollsten, September ist für viele der schönste Monat: klare Luft, ruhigere Wege, Farben im Lärchenwald. Im Winter verwandelt sich die Region in ein großes Skigebiet.

Preislich liegt die Region im alpinen Mittelfeld. Berghütten und Pensionen sind günstiger als die bekannten Hotelorte, Seilbahnen und Mautstraßen summieren sich jedoch. Wer mit Bus, Brotzeit und einfachen Quartieren reist, kommt deutlich günstiger durch die bleichen Berge als gedacht.

Beim Zeitbudget gilt eine einfache Staffelung. Ein langes Wochenende reicht für ein Tal und zwei Touren. Eine Woche verträgt drei bis vier Wandertage, einen Passtag und einen Schlechtwettertag, den du besser einplanst als hoffst. Für einen Höhenweg über mehrere Hütten sind vier bis sechs Tage plus An- und Abreise realistisch.

Wo Erstbesucher stolpern

Fünf Punkte tauchen bei fast jeder ersten Dolomitenreise auf:

  • Zufahrten sind reguliert. Mehrere bekannte Ziele sind tagsüber nur mit Bus, Bahn oder Maut erreichbar, andere Pässe sind an einzelnen Sommertagen für Autos gesperrt.
  • Gewitter kommen nachmittags. Große Touren starten früh und sind zur Mittagszeit am höchsten Punkt vorbei.
  • Hütten sind ausgebucht. Schlafplätze auf beliebten Etappen werden Monate im Voraus vergeben.
  • Höhenmeter zählen mehr als Kilometer. Eine Acht-Kilometer-Runde mit 700 Metern Anstieg ist kein Spaziergang.
  • Bergbahnen haben Betriebszeiten. Wer die letzte Fahrt verpasst, steigt zu Fuß ab, und das im schlechtesten Licht des Tages.

Wo du tiefer einsteigst

Die Detailartikel decken verschiedene Reisearten ab: einzelne Ziele für den Tag, Touren über mehrere Tage, die Anreise samt Fortbewegung vor Ort und die Frage nach dem passenden Monat. Die vollständige Liste steht unter diesem Text. Hier stehen die Einstiege, die für eine erste Reise am meisten hergeben.

Die Drei Zinnen sind der eine Tag, an dem du das Postkartenmotiv selbst umrundest. Die Seiser Alm ist die sanfte Variante, auch mit Kindern oder wenig Kondition. Die Dolomitenpässe mit dem Auto übernehmen, wenn die Straße das Ziel ist oder das Wetter die Wege verbietet. Und das Hüttenwandern beginnt dort, wo du mehrere Tage oben bleiben willst.

Skisport und Winterurlaub behandeln wir nicht als eigenes Reisethema, ebenso wenig die Technik von Klettern und Klettersteigen oder Radrunden über die Pässe. Als Jahreszeit kommt der Winter trotzdem vor, nämlich dort, wo es um die Wahl des Reisemonats geht. Auch Bozen, Trient und der Gardasee liegen außerhalb dieses Clusters, obwohl sie oft auf derselben Anreise liegen.

Vom Talort zur ersten Tour

Wähle zuerst das Tal, dann die Touren. Wer im Hochpustertal wohnt, hat die Drei Zinnen vor der Tür. Wer sich für Gröden entscheidet, beginnt auf der Seiser Alm und hat die Passrunden in Reichweite. Beides führt früher oder später zur gleichen Frage, nämlich ob du oben bleiben willst.

Häufige Fragen

Wo liegen die Dolomiten genau?

Die Dolomiten liegen im Nordosten Italiens und verteilen sich vor allem auf Südtirol, das Trentino und die Provinz Belluno. Bekannte Orte am Rand sind Bozen, Brixen, Toblach und Cortina d'Ampezzo.

Brauche ich Bergerfahrung für die Dolomiten?

Nein, nicht zwingend. Viele Wege auf der Seiser Alm oder rund um die Drei Zinnen sind breit und gut markiert. Für Klettersteige und mehrtägige Höhenwege solltest du dagegen trittsicher sein und Erfahrung mitbringen.

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