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Mietwagen übernehmen: der Zehn-Minuten-Check

Protokoll, Rundgang, Video: In welcher Reihenfolge du den Mietwagen prüfst, damit bei der Rückgabe niemand über Kratzer diskutiert.

Von Maia Brandt AI generiert · Aktualisiert am

Reisender filmt im Parkdeck mit dem Handy einen Kratzer am Stossfaenger des Mietwagens.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Nach zehn Minuten hast du drei Dinge beisammen: ein Übergabeprotokoll, in dem jeder vorhandene Schaden eingetragen ist, ein durchgehendes Video vom Fahrzeug mit lesbarem Kennzeichen und einen fotografierten Tankstand. Länger dauert die Übernahme nicht, wenn du eine feste Reihenfolge abarbeitest statt planlos um das Auto zu laufen. Genau diese Reihenfolge steht unten, Schritt für Schritt.

Parkdeck unter dem Terminal, Neonlicht, der Wagen steht in Reihe C. Der Mitarbeiter hält dir das Klemmbrett hin: „Passt alles, unterschreiben Sie unten." Er meint es nicht böse, er hat heute vierzig Fahrzeuge herausgegeben. Und doch entscheidet sich in dieser Minute, wer in zwei Wochen eine Delle bezahlt.

Was du dafür brauchst

Ein geladenes Handy mit Platz für ein zweiminütiges Video. Einen Stift, denn Protokolle werden nach wie vor auf Papier ergänzt. Tageslicht, wenn du es irgendwie einrichten kannst. Und die Buchungsbestätigung griffbereit, damit du Fahrzeugklasse und vereinbarte Leistungen mit dem Mietvertrag abgleichen kannst, bevor du losfährst.

Schritt 1: Protokoll lesen, bevor du unterschreibst

Das Übergabeprotokoll listet die Schäden, die der Vermieter bereits kennt. Alles, was dort nicht steht, wird bei der Rückgabe als neu behandelt. Lies die Liste also vor dem Rundgang und nimm sie mit ans Auto. Findest du einen Kratzer, der fehlt, lässt du ihn eintragen und vom Personal gegenzeichnen. Erst danach setzt du deine Unterschrift darunter. Und du lässt dir eine Kopie aushändigen, digital oder auf Papier.

Schritt 2: Rundgang im Uhrzeigersinn

Stell dich vor die Fahrertür und geh einmal komplett herum, immer in dieselbe Richtung. Wer kreuz und quer läuft, übersieht ganze Flächen. Mach den Rundgang bei Tageslicht und fahr den Wagen notfalls aus der Tiefgarage auf den offenen Vorplatz. Unter Neonröhren verschwinden feine Kratzer und stumpfe Stellen im Lack fast vollständig.

Schritt 3: Video mit sichtbarem Kennzeichen

Starte die Aufnahme am Nummernschild, damit Fahrzeug und Aufnahmedatum eindeutig zusammengehören. Dann läufst du langsam denselben Kreis wie eben, die Kamera schräg auf die Karosserie gerichtet, weil sich Kratzer im streifenden Licht zeigen. An jeder Beschädigung hältst du zwei Sekunden still und gehst einmal näher heran. Ein durchgehendes Video schlägt dreißig Einzelfotos, denn niemand kann später behaupten, das sei ein anderes Auto gewesen.

Schritt 4: Die Stellen, die fast alle übersehen

Vier Zonen sammeln den meisten Ärger. Die Felgen, weil Bordsteine sie streifen. Die Stoßfänger vorn und hinten, besonders an den Ecken. Das Dach, das du erst siehst, wenn du zurücktrittst oder das Handy hochhältst. Und die Unterkanten von Türen und Schwellern, wo Schotterspritzer sitzen. Geh dafür einmal links und einmal rechts in die Hocke.

Schritt 5: Scheiben abfahren

Setz dich kurz auf den Fahrersitz und schau von innen gegen das Licht. Steinschläge in der Windschutzscheibe fallen so eher auf als von außen, gerade die kleinen Sternchen am Rand des Sichtfelds. Heckscheibe und Außenspiegel gehören dazu. Was du findest, kommt ins Protokoll, sonst ist es bei der Rückgabe deins.

Schritt 6: Innenraum, Kofferraum, Ausstattung

Brandlöcher in den Sitzen, Risse im Armaturenbrett, fehlende Fußmatten: Was kaputt ist oder fehlt, notierst du jetzt. Dann öffnest du den Kofferraum und hebst den Boden an. Warndreieck, Verbandkasten und Warnweste gehören in jedes Auto, und welche Teile dein Reiseland verlangt, klärst du am besten vor der Abfahrt. Schau außerdem nach, ob ein Reserverad, ein Notrad oder nur ein Pannenset an Bord ist. Fehlt etwas, sagst du es am Schalter und nicht später auf dem Pannenstreifen.

Schritt 7: Tankstand und Tankregelung festhalten

Zündung an, Tankanzeige fotografieren, am besten gemeinsam mit dem Kilometerstand auf einem Bild. Danach klärst du die Regelung im Vertrag: voll übernehmen und voll zurückgeben ist der unkomplizierte Fall. Steht dort etwas anderes, lass dir genau erklären, mit welchem Füllstand du zurückkommen sollst und ob eine Tankquittung nötig ist. Bei einem Elektroauto gilt dasselbe für den Ladestand in Prozent.

Schritt 8: Bedienelemente testen, dann erst losfahren

Bevor du die Schranke passierst, probierst du durch, was du unterwegs wirklich brauchst: Licht und Fernlicht, Blinker, Scheibenwischer, Klimaanlage, Rückwärtsgang. Öffne die Tankklappe oder die Ladeklappe und prüfe, ob der passende Adapter oder das Ladekabel dabei ist. Zum Schluss notierst du Rückgabezeit und Rückgabeort samt Parkdeck-Ebene. Am Abreisetag suchst du sonst genau danach, mit Gepäck im Kofferraum und einem Flug im Nacken.

Häufige Fehler

Die Übernahme im Dunkeln ist der teuerste. Abendankunft, Tiefgarage, kurzer Blick, weg. Bei Tageslicht sähe derselbe Wagen anders aus. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, filmst du mit eingeschalteter Taschenlampe und lässt im Protokoll vermerken, dass die Übergabe bei Dunkelheit stattfand.

Fehler zwei ist die Unterschrift vor dem Rundgang. Danach ist der Zustand aus Sicht des Vertrags bestätigt, und deine Verhandlungsposition ist weg. Fehler drei: keine Fotos bei der Rückgabe. Die schönste Dokumentation vom ersten Tag nützt wenig, wenn niemand belegen kann, in welchem Zustand das Auto zurückkam.

Die Rückgabe

Dieselbe Runde, nur schneller. Video mit sichtbarem Kennzeichen, Tankanzeige und Kilometerstand fotografieren, Kofferraum leer, Ausstattung vollständig. Nimmt ein Mitarbeiter den Wagen ab, lässt du dir die Rückgabe schriftlich bestätigen und behältst eine Kopie. Ein Rückgabeprotokoll mit Schäden, die du nicht anerkennst, unterschreibst du nicht. Erfolgt die Rückgabe außerhalb der Öffnungszeiten, fotografierst du zusätzlich den Stellplatz und den Kasten, in den der Schlüssel wandert.

Vorher prüfen

  • Übergabeprotokoll gelesen, fehlende Schäden eingetragen und gegenzeichnen lassen
  • Rundgang im Uhrzeigersinn, bei Tageslicht
  • Durchgehendes Video, Start am Kennzeichen, Nahaufnahme an jedem Schaden
  • Felgen, Stoßfänger, Dach und Unterkanten aus der Hocke kontrolliert
  • Scheiben von innen gegen das Licht auf Steinschläge geprüft
  • Innenraum, Kofferraum, Warnausstattung und Reserverad vollständig
  • Tankstand und Kilometerstand fotografiert, Tankregelung geklärt
  • Licht, Wischer, Klima, Rückwärtsgang, Tank- oder Ladeklappe getestet
  • Rückgabezeit, Rückgabeort und Parkebene notiert
  • Kopie des Protokolls dabei

Welche Deckung den Schaden trägt

Welche Deckung welchen Schaden auffängt und warum die Selbstbeteiligung die entscheidende Zahl im Vertrag ist, steht in Mietwagen-Versicherungen verstehen. Alle weiteren Grundlagen zu Anreise, Buchung und Unterwegssein bündelt die Übersicht Reise-Wissen.